Modellprojekte

Modellprojekte haben zum Ziel, die Ausbildung in einzelnen Handwerksberufen nach westeuropäischem Vorbild anzupassen und zu modernisieren. Um als Modellprojekt anerkannt zu werden, muss die Erarbeitung neuer Lehrpläne in enger Abstimmung mit dem Bildungsministerium und in Vereinbarung mit den geltenden nationalen Bildungsplänen erfolgen. Wird ein Modellprojekt erfolgreich abgeschlossen, kann es unter bestimmten Bedingungen in anderen Regionen multipliziert werden.

Ein Modellprojekt entsteht in mehreren Phasen. Zunächst muss eine geeignete Partnerschule identifiziert werden, die willens und in der Lage ist, eine tiefgreifende Umstrukturierung der Ausbildung vorzunehmen. Das Einbinden der jeweiligen übergeordneten Strukturen, z. B. Bildungsministerium, steht ebenfalls ganz am Anfang. Dann werden gemeinsam mit Schulleitung und den zuständigen Meistern die bisherigen Lehrpläne angepasst. Insbesondere steht die Erhöhung des Praxisanteils im Mittelpunkt. Der Bedarf an Werkzeug und Maschinen wird ermittelt und die Räumlichkeiten werden neu geplant, renoviert und ausgestattet. Die Schulung der Lehrer erfolgt parallel in mehreren Stufen. Bis zur Aufnahme der neuen Ausbildung haben die Lehrer mehrere Weiterbildungen, darunter auch in Deutschland durchlaufen. Auch deutsche Meister fahren an die Schulen, um vor Ort die Lehrer in ihrer Umgebung zu unterweisen. Die Weiterbildung der Lehrer wird auch danach kontinuierlich fortgesetzt.

Nach einer ersten Erprobung der Ausbildung wird geprüft, ob sich das Konzept bewährt hat und ob noch weitere Berufe in das Modellprojekt aufgenommen werden.

Hat ein Ausbildungsgang die Modellphase erfolgreich durchlaufen, etabliert sich das neue Modell als Standard an der entsprechenden Schule und kann auch an anderen Schulen multipliziert werden.

 

Einführung einer Steinmetzausbildung in Lwiw

Als Ausbildungsberuf gibt es in der Ukraine den Steinmetz nicht. Sehr gut ist die Ausbildung für Bildhauer. Handwerkliche Steinmetzarbeiten machen in der Regel die Mauerer mit. Besonders in Lwiw ist jedoch der Bedarf an gut ausgebildeten, handwerklich versierten und mit den neuesten Methoden der Restaurierung vertrauten Steinmetzen sehr groß. Die Stadt verfügt über eine immense Anzahl von Schätzen, deren Erhalt genau diese Fachleute benötigt. Am Iwan-Trusch-College in Lwiw, das seit Jahrzehnten Bildhauer ausbildet, sind beste Voraussetzungen für eine Einführung dieser Qualifikation gegeben. Die sechsjährige künstlerische Ausbildung erlaubt eine Vertiefung und Bereicherung im handwerklichen Bereich und macht diese entsprechend wertvoller. Ein umfangreicher Teilbereich „Restaurierung“ erweitert die Möglichkeiten der jungen Künstler und bietet neue berufliche Perspektiven.

 

Multiplizierung der modernisierten Malerausbildung in Winniza und Kiew

Die neue Ausbildung im Malerberuf, erprobt im Modellprojekt in Lwiw und ebenfalls mit der Zusatzkomponente „Restaurator“ wird inzwischen auch an zwei beruflichen Schulen in der Zentralukraine realisiert.  An der Höheren Berufsschule für Bauwesen und Design in Kiew und an der Höheren Künstlerisch-Berufstechnischen Schule Nr. 5 in Winniza wurden im Herbst 2015 die ersten umgebauten Werkstätten eröffnet und die Ausbildung wurde  aufgenommen.

Im Rahmen einer Informationsreise konnten Projektbeteiligte der ukrainischen Seite im Mai 2016 das deutsche Berufsbildungssystem und die Malerausbildung hierzulande kennenlernen. Das Interesse war sehr groß und von diesem Besuch dürften viele Impulse für die weitere Projektentwicklung ausgehen.

 

Modernisierung der Ausbildung für Tischler an der Berufschule in Causeni (Moldau)

Hier wird seit 2011 die Ausbildung für Tischler modernisiert. Mittlerweile wurde eine Werkstatt komplett renoviert, ein Maschinenraum wurde mit modernen Maschinen und ein Werkraum mit Handwerkzeugen ausgestattet. Umfangreiche Schulungen fanden für Lehrer und Meister statt. Insgesamt werden derzeit ca. 70 Schüler ausbildet. Die Schülerzahl hatte sich nach Projektbeginn signifikant erhöht.

Das Projekt in Moldau ist eng mit dem Modellprojekt in Lviv verknüpft. So fanden z. B. in Lviv Schulungen für die Meister aus Moldau statt.

 

Modellprojekt in Lwiw (Ukraine)

An der Höheren Beruflichen Kunstschule Lwiw ist die Modernisierung des Berufs Maler/Restaurator bereits abgeschlossen. Das Projekt für Tischler/Restauratoren wird Mitte 2017 beendet werden. Aufgrund des hohen Restaurierungsbedarfs der Stadt Lwiw, insbesondere im Zusammenhang mit ihrem Status als Weltkulturerbe, ist hier die Zusatzkomponente Restauration eine Besonderheit. Der Bedarf an Sanierung im Außen- und Innenbereich der Altstadtgebäude ist immens.

 

Modellprojekt in Jekaterinburg (Russland)

Hier ist am College für Technologie und Unternehmertum inzwischen die Modernisierung der Berufsausbildung für Maler, Tischler, Fliesenleger, Dachbauer, Sanitärinstallateure und Autolackierer abgeschlossen worden. Kontinuierliche Evaluierung und Weiterqualifizierung der Ausbilder sorgen für Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit.

Multiplizierung in Krasnodar

Seit 2015 läuft die Multiplizierung für Fliesen-/Mosaikleger am Humanitär-Technologischen College in Krasnodar. Die Werkstätten sind umgebaut, derzeit werden die Meister geschult. Eine erste Schulung bei den Kollegen im Modellprojekt in Jekaterinburg wurde bereits erfolgreich beendet. Im Laufe des ersten Halbjahres 2016 folgen Schulungen in Deutschland, und im Herbst 2016 soll in Krasnodar die modernisierte Ausbildung aufgenommen werden.